Formeln
Die Devine-Formel: Idealgewicht aus medizinischer Sicht
Die Devine-Formel stammt aus der klinischen Pharmazie und berechnet das Idealgewicht anhand der Körpergröße. Wie sie funktioniert, wo sie herkommt und was ihre Grenzen sind.
Inhalt
Was ist die Devine-Formel?
Die Devine-Formel gehört zu den ältesten und in der Medizin am häufigsten zitierten Formeln zur Schätzung des Idealgewichts. Entwickelt wurde sie 1974 von Samuel B. Devine, einem amerikanischen Pharmazeuten. Der ursprüngliche Zweck hatte nichts mit Schönheitsidealen oder Diäten zu tun: Devine wollte eine praxistaugliche Methode für die Dosierung von Gentamicin, einem Antibiotikum, bereitstellen. In der klinischen Pharmazie ist eine zuverlässige Referenzgröße für das Körpergewicht wichtig, weil viele Medikamente gewichtsabhängig dosiert werden.
Die Formel im Detail
Die Berechnung erfolgt getrennt nach Geschlecht. Ausgangspunkt ist eine Körpergröße von 5 Fuß (152,4 cm). Für jede zusätzliche Zoll-Einheit (2,54 cm) über diese Grenze werden 2,3 kg addiert.
Für Männer: Idealgewicht (kg) = 50 + 2,3 x (Größe in cm minus 152,4) / 2,54
Für Frauen: Idealgewicht (kg) = 45,5 + 2,3 x (Größe in cm minus 152,4) / 2,54
Ein Mann mit 178 cm Körpergröße kommt damit auf etwa 72,7 kg. Eine Frau gleicher Größe auf etwa 68,2 kg.
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beträgt konstant 4,5 kg und spiegelt im Ansatz die unterschiedliche Muskelmasse und Knochenstruktur wider. Allerdings ist diese Differenz grob vereinfachend, denn tatsächliche Unterschiede in der Körperzusammensetzung variieren stark je nach Alter, Trainingszustand und individueller Konstitution.
Medizinische Anwendung heute
Trotz ihres Alters wird die Devine-Formel bis heute in der klinischen Praxis verwendet, vor allem bei der Dosierung von Medikamenten, die hydrophil sind und sich deshalb nicht proportional im Körperfett, sondern vorwiegend im fettfreien Gewebe verteilen. Dazu zählen unter anderem Aminoglykoside, Vancomycin und bestimmte Zytostatika.
Klinisches Personal nutzt die Formel auch bei adipösen Patienten, um eine Überdosierung zu vermeiden. In solchen Fällen wird nicht das tatsächliche Körpergewicht, sondern das berechnete Idealgewicht als Basis herangezogen.
Stärken und Schwächen im Vergleich
Die Stärke der Devine-Formel liegt in ihrer Einfachheit. Sie benötigt nur die Körpergröße und das Geschlecht als Eingaben. Das macht sie schnell anwendbar und leicht reproduzierbar.
Ihre Schwächen sind jedoch erheblich:
Fehlende Alterskorrektur: Das natürliche Ansteigen des Körperfettanteils mit dem Alter wird nicht berücksichtigt. Ein 70-jähriger Mann und ein 25-jähriger Mann gleicher Größe erhalten denselben Wert.
Keine Berücksichtigung des Körperbaus: Menschen mit schmalem Skelett und Menschen mit breitem Rahmen erhalten identische Ergebnisse, obwohl ihr physiologisch optimales Gewicht deutlich abweichen kann.
Untere Größengrenze: Unterhalb von 152,4 cm liefert die Formel negative oder unrealistisch niedrige Werte, was bei kleinwüchsigen Personen zu Problemen führt.
Ethnische Unterschiede ignoriert: Mittlere Körpergröße und Körperzusammensetzung unterscheiden sich zwischen Bevölkerungsgruppen. Die Formel wurde hauptsächlich an nordamerikanischen Patientendaten entwickelt.
Vergleich mit anderen Formeln
Neben der Devine-Formel existieren weitere etablierte Ansätze, darunter die Robinson-Formel (1983) und die Miller-Formel (1983). Die Robinson-Formel nutzt einen etwas anderen Startpunkt und leicht angepasste Gewichtungsfaktoren, was zu geringfügig abweichenden Ergebnissen führt. Alle diese Formeln haben gemeinsam, dass sie lineare Funktionen der Körpergröße sind.
Der BMI-Ansatz dagegen berechnet das Normalgewicht aus einer Bandbreite (BMI 18,5 bis 24,9) und gibt statt eines Einzelwerts ein Intervall aus. Das ist für viele Zwecke informativer.
Mit dem Rechner auf dieser Seite lassen sich mehrere Formeln gleichzeitig vergleichen, was ein realistischeres Bild ergibt als der Blick auf eine einzelne Zahl.
Einordnung für den Alltag
Wer die Devine-Formel als Orientierungswert nutzt, sollte verstehen, dass sie ein medizinisch-pharmazeutisches Werkzeug ist, kein persönlicher Richtwert für Fitness oder Ernährung. Das Ergebnis sagt nichts über den Körperfettanteil, die Muskelmasse oder den metabolischen Gesundheitszustand aus.
Als grobe Schätzung, ob das eigene Gewicht in einem plausiblen Bereich liegt, ist die Formel brauchbar. Für eine fundierte Einschätzung der eigenen Gesundheit sind weitere Parameter nötig: Taillenumfang, Körperfettanteil, Blutdruckwerte und Blutzucker liefern zusammen ein deutlich aussagekräftigeres Bild.
Medizinische Entscheidungen sollten in keinem Fall allein auf einer Formelberechnung basieren. Dafür ist die Rücksprache mit einem Arzt unerlässlich.
Häufige Fragen
Wofür wurde die Devine-Formel ursprünglich entwickelt?
Die Formel wurde 1974 von Samuel B. Devine entwickelt, um in der klinischen Pharmazie die Medikamentendosierung bei Patienten zu standardisieren. Das berechnete Idealgewicht dient dort als Referenzgröße, nicht als Diätziel.
Ist die Devine-Formel für Frauen und Männer unterschiedlich?
Ja. Für Männer lautet sie: 50 kg plus 2,3 kg je Zoll über 5 Fuß Körpergröße. Für Frauen: 45,5 kg plus 2,3 kg je Zoll. Da in Deutschland Zentimeter üblich sind, wird umgerechnet: 1 Zoll entspricht 2,54 cm, 5 Fuß entsprechen 152,4 cm.
Quellen
- Devine BJ (1974): Gentamicin therapy. Drug Intelligence and Clinical Pharmacy, 8(11), 650-655.
- Pai MP, Paloucek FP (2000): The origin of the ideal body weight equations. Annals of Pharmacotherapy, 34(9), 1066-1069.
Über die Autorenschaft
Mateusz Viola
Betreiber und redaktionelle Verantwortung idealgewicht-rechner.de
Themengebiet: Mathematik, Kalenderrechnung, Schaltjahre, Statistik und ISO 8601
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