Gesundheit

Untergewicht erkennen: Risiken und Anzeichen im Überblick

Untergewicht wird gesellschaftlich oft unterschätzt. Dieser Ratgeber erklärt, ab wann Untergewicht vorliegt, welche gesundheitlichen Risiken damit verbunden sind und wann ärztlicher Rat angebracht ist.

Lesezeit 6 Min. Aktualisiert 28.05.2026 2 Quellen Mateusz Viola Mateusz Viola
Inhalt

Wenn über Körpergewicht und Gesundheit diskutiert wird, steht Übergewicht meist im Mittelpunkt. Untergewicht wird dabei häufig vernachlässigt, obwohl es erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann. Nicht jeder Mensch mit einem niedrigen Körpergewicht leidet unter Untergewicht, aber ab einem bestimmten Punkt wird die körperliche Versorgung kritisch.

Wann liegt Untergewicht vor?

Als klinische Orientierung gilt ein Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5 als Untergewicht. Der Rechner gibt einen ersten Hinweis darauf, ob das eingegebene Gewicht im kritischen Bereich liegt.

Es gibt jedoch Situationen, in denen ein BMI unter 18,5 keine pathologische Bedeutung hat, zum Beispiel bei sehr jungen Erwachsenen in der Wachstumsphase oder bei konstitutionell schlanken Menschen, die trotz niedrigem Gewicht alle Nährstoffe ausreichend aufnehmen. Umgekehrt kann jemand mit einem BMI knapp über 18,5 unter ernsthafter Mangelernährung leiden, wenn die Ernährungsqualität schlecht ist.

Mögliche Ursachen von Untergewicht

Untergewicht hat unterschiedliche Ursachen:

Unzureichende Kalorienaufnahme: Chronisch zu wenig essen, etwa durch bewusste Einschränkung, Armut, eingeschränkten Appetit oder Stress.

Erkrankungen mit erhöhtem Verbrauch: Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Krebserkrankungen oder chronische Infektionen können den Energiebedarf erhöhen und zu Gewichtsverlust führen.

Resorptionsstörungen: Erkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn beeinträchtigen die Nährstoffaufnahme im Darm.

Essstörungen: Anorexia nervosa und Bulimia nervosa sind schwerwiegende psychische Erkrankungen, die zu ausgeprägtem Untergewicht führen können.

Soziale und psychische Faktoren: Trauer, Depressionen und Einsamkeit können den Appetit dauerhaft reduzieren.

Körperliche Folgen von Untergewicht

Wenn der Körper dauerhaft zu wenig Energie und Nährstoffe erhält, beginnt er, körpereigene Reserven abzubauen. Dies betrifft zunächst Fettdepots, dann Muskelgewebe und schließlich Organgewebe.

Mögliche gesundheitliche Folgen:

Immunsystem: Eine unzureichende Versorgung mit Proteinen, Zink, Vitamin C und anderen Mikronährstoffen schwächt die Immunantwort. Infektionskrankheiten verlaufen schwerer und dauern länger.

Knochengesundheit: Untergewicht, insbesondere bei Frauen, erhöht das Risiko für Osteoporose. Der Mangel an Östrogen, das im Fettgewebe mitproduziert wird, senkt die Knochendichte.

Herz-Kreislauf: Bei ausgeprägtem Untergewicht können Herzrhythmusstörungen auftreten, die in schweren Fällen lebensbedrohlich sind. Dies ist besonders relevant bei Essstörungen mit extremem Gewichtsverlust.

Hormonelle Störungen: Frauen mit sehr niedrigem Körpergewicht können Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) entwickeln, was langfristige Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben kann.

Wundheilung und Muskelfunktion: Proteinmangel verlangsamt die Geweberegeneration und beeinträchtigt Muskelkraft und Ausdauer.

Wann ist ärztlicher Rat notwendig?

Folgende Situationen erfordern eine ärztliche Abklärung:

  • Ungewollter Gewichtsverlust von mehr als 5 Prozent des Körpergewichts innerhalb von 6 Monaten
  • BMI unter 17,5 ohne bekannte körperliche Ursache
  • Anhaltende Erschöpfung, Schwindel oder Haarausfall
  • Ausbleiben der Menstruation bei Frauen ohne andere Erklärung
  • Vermutete Essstörung

Ein Arzt kann mithilfe von Blutuntersuchungen Nährstoffmängel erkennen und gezielt behandeln oder an Fachstellen verweisen.

Was bei Untergewicht helfen kann

Bei untergewichtigen Menschen ohne schwerwiegende Grunderkrankung liegt der Fokus auf einer erhöhten Energiezufuhr durch nährstoffreiche Lebensmittel. Das bedeutet nicht, möglichst kalorienreiche Lebensmittel zu essen, sondern vor allem eine ausreichende Versorgung mit Proteinen, gesunden Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen sicherzustellen.

Krafttraining unterstützt den Aufbau von Muskelmasse und erhöht den Energiebedarf. Wer Untergewicht durch bewussten Muskelaufbau überwinden möchte, erzielt damit bessere Ergebnisse als durch eine rein kalorienreiche Ernährung ohne körperliche Aktivität.

Fazit

Untergewicht ist ein ernst zu nehmendes Gesundheitsthema, das oft zu wenig Aufmerksamkeit erhält. Wer laut Rechner oder nach eigener Einschätzung im Untergewichtsbereich liegt und körperliche Beschwerden bemerkt, sollte ärztlichen Rat suchen, anstatt allein durch Ernährungsveränderungen gegenzusteuern.

Häufige Fragen

Ab welchem BMI gilt man als untergewichtig?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert einen BMI unter 18,5 als Untergewicht. Innerhalb dieser Kategorie wird zwischen leichtem Untergewicht (BMI 17,0 bis 18,4), mäßigem Untergewicht (BMI 16,0 bis 16,9) und schwerem Untergewicht (BMI unter 16,0) unterschieden.

Ist Untergewicht gefährlicher als Übergewicht?

Beide Zustände erhöhen das Krankheitsrisiko, aber auf unterschiedliche Weise. Schweres Untergewicht ist mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als leichtes Übergewicht. Insbesondere das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Immunschwäche und Knochenschwund ist bei ausgeprägtem Untergewicht erheblich.

Quellen

  • WHO: Physical status: the use and interpretation of anthropometry. WHO Technical Report Series 854, 1995
  • Lichtman, S.W. et al.: Discrepancy between Self-Reported and Actual Caloric Intake. New England Journal of Medicine, 1992, 327(27): 1893-1898
Mateusz Viola

Über die Autorenschaft

Mateusz Viola

Betreiber und redaktionelle Verantwortung idealgewicht-rechner.de

Themengebiet: Mathematik, Kalenderrechnung, Schaltjahre, Statistik und ISO 8601

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